Mit zehn habe ich den Computer meines Vaters auseinandergenommen. Ich wollte sehen, was in dem Kasten steckt, das Teil, das ihn zum Laufen bringt. Wieder zusammengebaut habe ich ihn auch, größtenteils. Die Neugier ist geblieben.
Mit 13 hatte ich eine kleine Firma für Webseiten, die ich 2004 verkauft habe. Software als Beruf kam später, ab 2009.
Diese Neugier zieht sich durch alles, was danach kam: Software schreiben, Systemgrenzen ziehen, Teams führen, Kinder und Studierende unterrichten, Vorträge halten, Firmen aufbauen und jetzt herausfinden, was AI für das Handwerk bedeutet.
Wie es anfing
Ich habe Wirtschaftsinformatik an der NORDAKADEMIE dual studiert, ab 2009 also Hochschule und OTTO gleichzeitig. OTTO hat mich durch viele Bereiche des Unternehmens geschickt: Controlling, SAP-HR-Entwicklung, E-Commerce, Konzernstrategie. Außerdem habe ich geholfen, den Startup-Inkubator Liquid Labs aufzubauen, aus dem später Risk.Ident als eigene Firma hervorging.
Dort habe ich etwas gelernt, das alles Spätere geprägt hat. Die interessanten Probleme sind selten nur technisch.
OTTO: Ausliefern lernen
2013 hat OTTO mich als Software Engineer übernommen. Ich kam in ein zehnköpfiges SCRUM-Team, das ein neues Backoffice-System für otto.de gebaut hat.
Dann haben ein Kollege und ich etwas gemacht, auf das ich bis heute stolz bin. Wir haben die Führung überzeugt, ein neues Team für Social-Media-Features zu starten, und ich habe es technisch mitgeleitet. Zwei Wochen nach dem Start brachte ein kleines Feature aus diesem Team eine einzelne Umsatzlinie in den dreistelligen Millionenbereich.
Daraus habe ich gelernt, wie viel ein kleines, gut platziertes Stück Software bewegen kann. Und wie sehr das davon abhängt, dass ein Team es bauen darf.
Breuninger: Architektur, um in Bewegung zu bleiben
Ab 2017 war ich Lead Software Architect bei Breuninger und für die Onlineshop-Plattform verantwortlich. Dreizehn Teams haben daran gearbeitet, 40 interne und 30 externe Entwicklerinnen und Entwickler.
In diesen Jahren haben wir den Shop in Deutschland und Österreich neu gelauncht, sind in die Schweiz expandiert und haben einen Marktplatz dazugebaut. Der Umsatz aus Onlinebestellungen wuchs 2018 um 35 %. Und das, ohne die Art technischer Schulden anzuhäufen, die später unbemerkt alles ausbremst.
Der Hebel war die Architektur. Ich habe eine vertikale Architektur etabliert, mit der die Teams kundenorientiert, datengetrieben und unabhängig arbeiten und sich selbst organisieren konnten. Bei Breuninger habe ich gelernt: Gute Architektur macht vor allem Veränderung günstig.
BLUME 2000: das ganze Bild
Ab 2020 war ich CIO bei BLUME 2000 und für die E-Commerce-IT verantwortlich. Das Team war nicht auf das vorbereitet, was kommen sollte. Also haben wir Produkt, Organisation und Technologie neu aufgestellt und einen neuen Onlineshop auf einem neuen Fundament live gebracht.
Als CIO habe ich gelernt, wo Technologie, Organisation, Betrieb und Geschäftsverantwortung wirklich aufeinandertreffen. In kleinen täglichen Entscheidungen, nicht auf Strategiefolien.
TalentFormation und hackers&wizards
Nach BLUME 2000 habe ich bei TalentFormation Unternehmen umgebaut und an Architektur, Delivery und Vertikalisierung gearbeitet. Dort hat meine Arbeit an agentic engineering zum ersten Mal echte Form angenommen.
Heute führe ich hackers&wizards, die Firma für agentic engineering, die ich mitgegründet habe: Trainings, Workshops und praktische AI-gestützte Softwareentwicklung. Die Firma hat ihr eigenes Zuhause unter hackersandwizards.dev.
Der rote Faden: Lehren
Das Lehren taucht immer wieder auf. Hacker School seit 2014, Vorlesungen an der Hochschule, Mentoring, Konferenzvorträge, Workshops und jetzt die Arbeit mit AI-Systemen.
Das Muster ist jedes Mal dasselbe. Wenn ein Mensch oder ein System gute Arbeit machen soll, musst du Kontext sichtbar machen. Beispiele, Feedback, Grenzen, Geduld und so viel Struktur, dass der nächste Schritt offensichtlich wird.
Deshalb fühlen sich Mentoring und agentic engineering für mich wie dieselbe Arbeit an. Gute Ergebnisse aus AI herauszuholen ist zuerst ein Kontextproblem und ein Lehrproblem, erst danach ein Tooling-Problem.
Die Frage, an der ich gerade arbeite
Wie nutzen wir AI, um Softwareteams fähiger zu machen, ohne Handwerk, Urteilsvermögen oder Verantwortung zu verlieren?
Diese Frage treibt hackers&wizards an, meine Vorträge, meine Texte und die meisten Gespräche, die ich mit CTOs, Entwicklerinnen und Entwicklern und Lehrenden führe.
Wenn AI das Produzieren von Code billiger macht, brauchen Teams stärkere Architektur und klareres Denken, nicht weniger davon.
Dieselbe Neugier, mit der ich damals den Computer aufgeschraubt habe, treibt die Arbeit bis heute: das System verstehen, es nützlich machen, weitergeben, was du gelernt hast.